Speicherbatterie wechseln bei Super Nintendo Spielen

Sebastian Pohl - 12. Januar 2015

Irgendwann kommt der Tag, da möchte man sein Lieblings SNES Spiel weiterspielen und freut sich schon darauf den jahrelang gepflegten Spielstand endlich zu Ende zu führen. Und dann begrüßt einen das Spiel mit einer leeren Auflistung der Speicherplätze.

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Das bedeutet einfach nur das die interne Batterie, die den Speicher versorgt hat das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Für das oben gezeigte Spiel Terranigma betrug diese Lebensdauer 22 Jahre.

Nun gibt es im Netz sehr viele Anleitungen wie man die Batterie wechselt, viele davon sind eher mit Vorsicht zu betrachten. Häufig werden die angeschweißten Lötfahnen der internen Batterie einfach wiederverwendet und an eine neue Batterie angelötet (recht gefährlich, da Lithium Batterien Hitze nicht wirklich mögen) oder noch schlimme, die Batterie wird einfach mit Klebeband befestigt. Was bei einem Wackelkontakt passiert weis ich zwar nicht genau, der Spielstand wird aber vermutlich weg sein.

HINWEIS: Ich übernehme keine Haftung falls etwas schiefgeht!

Also habe ich mir vorgenommen, eine möglichst dauerhafte, vernünftige Lösung zu finden. Und auch wenn die Lebensdauer mit ca. 20 Jahren doch recht hoch ist, wollte ich die Möglichkeit haben die Batterie, falls es nochmals nötig ist, ohne größeren Löteinsatz wechseln zu können. Daher habe ich mich für Batteriehalter entschieden.

Was man zum wechseln also benötigt:

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  • Das Spiel / die Spiele mit leerer oder alter Batterie (präventiv wechseln kann auch vor unliebsamen Überraschungen schützen)
  • Ein passendes Bit um die Cartridge zu öffnen (3,8mm Gamebit, gibt es überall im Netz, aber bitte nicht mehr als 2-3 Euro pro Bit zahlen! Am besten schaut man bei Ebay).
  • Eine ausreichende Menge an Batteriehaltern für CR2032 Knopfzellen. Gibt es bei Amazon oder meist noch günstiger bei Ebay. Ich habe mich für einen Kunststoffhalter entschieden da dadurch weniger die Gefahr für ungewollte Kurzschlüsse entsteht als bei Metallhaltern.
  • Und natürlich auch Knopfzellen CR2032. Hier habe ich mich ebenfalls für ein Markenprodukt entschieden da ich mit billigen Chinabatterien schlechte Erfahrungen gemacht habe.
  • Nicht auf dem Bild sind Sachen wie Lötzubehör, Heißklebepistole und Kabelstücke.

Optional: Sichern des Speicherinhalts

Zwar besteht die Möglichkeit, das die Speicherdaten den Wechsel der Batterie ohne fremde Hilfe überstehen, wenn man soetwas wie die Retrode in seiner Sammlung hat, kann man die Daten aber auch einfach sichern.

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Dazu wird das Spiel in die per USB angeschlossene Retrode eingesteckt und im Explorer erscheint ein neues Laufwerk das die Konfigurationsdatei der Retrode, das Spiel als sfc Datei und den Inhalt des RAM als srm Datei enthält. Letzteres ist die Datei die wir nun an eine andere Stelle kopieren um sie später wieder zurückschreiben zu können.

Wechseln der Batterie

Zuerst wird die Cartridge mit dem passenden Bit geöffnet, zur Anschauung habe ich ein PAL und ein NTSC Spiel genommen.

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Beide sind mit zwei Schrauben an der Vorderseite verschraubt und lassen sich nach dem Entfernen dieser Schrauben einfach nach oben aufklappen. Die Innereien beider Varianten sind weitestgehend identisch.

snes_4Nimmt man die Platine heraus, findet man auf der Rückseite die Batterie, oben links im Bild. Es handelt sich in fast allen Fällen um eine CR2032 Knopfzelle mit angeschweißten Lötfahnen. Wichtig: Auf jeden Fall sollte man sich merken welcher der Lötpunkte der Pluspol ist und welcher Minus!

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Ich habe dabei festgestellt, das alle Cartridges die ich geöffnet habe am Pluspol der Batterie eine breitere Lötfahne hatten als am Minuspol. Die Position und Ausrichtung der Batterie kann variieren.

Wichtig ist es auch, den alten Lötzinn möglichst weitgehend zu entfernen und die Lötpads sauber zu bekommen (Entlötlitze und eine Entlöt-Saugpumpe helfen da!). Dann lötet man ein Kabelpaar an Plus- und Minuspol an. Hier auch darauf achten das einige Cartridges nur auf einer Seite Lötpads haben. Ansonsten ist es egal auf welcher Seite der Platine man die Kabel herausführt. Leider ist es mit den ausgewählten Haltern nicht möglich diese direkt auf die Platine zu löten, dafür reicht der Platz im Gehäuse nicht (Es gibt flachere Halter für SMD Aufbau, hier wäre der Halter dann aber bei eingebauter Platine auf der Rückseite im Gehäuse.).

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Die überstehenden Enden der Kabel habe ich so weit wir möglich gekürzt (Auf dem oberen Bild sind sie ungekürzt).

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Die anderen Enden der Kabel werden dann an den Batteriehalter gelötet. Hier darauf achten, das man ein paar Zentimeter  Spielraum lässt um den Batteriehalter nachher positionieren zu können. Ebenfalls wichtig ist es die Kabel entsprechend ihrer Polung an den Halter zu löten. Meist sind + und – Zeichen in die Batterieklemmen eingeprägt, ansonsten einfach gucken wie die Batterie eingesetzt wird und welche Seite dann welcher Pol ist.

Nach dem Löten der Kabel habe ich die Lötfahnen auf der Unterseite des Halters nach innen gebogen, dadurch reduziert sich die Einbauhöhe.

An dieser Stelle kann man jetzt vorsichtig die Batterie einsetzen, die Platine wieder in ihr Gehäuse packen und ohne es zuzuschrauben das Spiel auf Funktion testen. Startet es, hat man zumindest nichts grundlegend falsch gemacht. Sofern sich die Möglichkeit bietet kann man auch die Speicherfunktion kurz testen. Also im Spiel speichern, Konsole aus- und wieder anmachen und gucken ob der Speicherstand noch vorhanden ist.

Läuft alles sauber, kann man die letzten kosmetischen Arbeiten vornehmen.

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Über der Platine ist für gewöhnlich noch genug Platz um den Batteriehalter dort unterzubringen (Es gibt Spiele deren Platine füllt das gesamte Gehäuse aus, da ich aber kein solches zur Hand habe, kann ich leider nicht testen wie es dort aussieht.). Da mein Wunsch war die Batterie später noch ohne großen Aufwand wechseln zu können habe ich den Halter letztendlich mittig über der Platine mit zwei winzigen Tropfen Heißkleber fixiert.

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Der letzte Schritt ist dabei mehr oder weniger optional, allerdings hat der Halter schon noch etwas Spiel im geschlossenen Gehäuse so dass er klappert und die Gefahr besteht das er im ungünstigsten Fall einen Kurzschluss verursacht.

Danach kann die Cartridge wieder zugeschraubt werden.

Optional: Wiederherstellen des Speichers

Hier wird auch wieder die Retrode zur Hilfe genommen. Allerdings muss die Konfiguration angepasst werden, dazu wird die Datei RETRODE.CFG editiert und der Eintrag

[sramReadonly] 1

geändert werden zu

[sramReadonly] 0

Dadurch kann die Retrode Änderungen an der srm Datei wieder auf die Cartridge übertragen. Legt man nun das Spiel ein und wartet bis die Daten eingelesen sind, kopiert dann die zuvor gesicherte Datei dorthin, schreibt die Retrode den alten Zustand wieder in den Speicher.

Hat man keine Retrode, oder etwas vergleichbares zur Verfügung, kann es helfen zügig zu arbeiten. So hat meine Kopie von Zelda – A link to the past den Inhalt des Speichers nicht verloren während ich die Batterie gewechselt habe.

Testen

Hat man alles wieder zusammengebaut bleibt nur noch das Spiel ausgiebig zu testen! 😉

Bei Terranigma ist es zum Glück einfach, da man direkt zu Beginn des Spiels einen Speicherpunkt hat. Und wie erwartet, das Speichern funktioniert wieder!

terranigma_save

Yay!

4 Gedanken zu „Speicherbatterie wechseln bei Super Nintendo Spielen“

    1. Hi,
      ich habe Kabel verwendet die noch in meiner Restekiste rumlagen. Am besten nimmt man da Kabel die nicht allzu dick sind und die flexibel sind. Sehr viel Strom geht nicht darüber und viel bewegt werden sie auch nicht. Alte Netzwerkkabel kann man gut verwenden um daraus die einzelnen Adern zu verwenden. Nur starre Verlegekabel würde ich eher nicht verwenden.

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